Vom Muskelkater in den Oberarmen bis zum Eskimorollen-Trugschluss: Welche Weisheiten man sich erzählt – und was wirklich dahintersteckt.
Wer regelmäßig am Bootshaus oder nach einer gemeinsamen Tour beim Kaltgetränk zusammenkommt, kennt sie bestimmt: die typischen Besserwissereien, Mythen und Halbwahrheiten des Wassersports. Zeit, die 5 weitverbreitetsten Irrtümern einmal zu beleuchten!
Irrtum #1: „Kajakfahren geht vor allem auf die Arme und den Bizeps.“
Der absolute Klassiker unter Einsteigern. Nach den ersten Touren klagen viele über ziehende Muskeln in den Ober- und Unterarmen. Die fehlerhafte Schlussfolgerung lautet oft: „Mir fehlt einfach die Kraft in den Armen.“

- Die Realität: Wer aus den Armen zieht, paddelt anatomisch und physikalisch falsch. Die eigentliche Kraft beim Kajakfahren kommt aus der Rumpfrotation (Bauch- und Rückenmuskulatur) sowie aus dem Beineinsatz über die Fußstützen. Die Arme dienen lediglich als gestreckte Hebel zur Kraftübertragung. Wer sauber aus dem Rumpf dreht, paddelt ausdauernder, schneller und schont die Schultergelenke.
Irrtum #2: „Wer kentert, muss zwingend die Eskimorolle können.“
Anfängern wird nachmal eingeredet, die Eskimorolle sei sehr wichtig für die Sicherheit. Wer sie nicht beherrscht, sei auf dem Wasser nicht sicher unterwegs.

- Die Realität: Besonders im Wander- und Tourenbereich ist die Rolle oft gar nicht machbar – breite Boote und riesige Luken machen das Aufrichten physikalisch extrem schwer. Der eigentliche Trugschluss liegt woanders: Viele Paddler beherrschen weder die Kantenkontrolle noch den Wiedereinstieg auf offenem Wasser.
- Statt der Eskimorolle sind das Beherrschen der flachen/hohen Stütze (Prävention!) sowie verlässliche Rettungstechniken im tiefen Wasser (Partnerrettung, Re-Enter & Pump, Paddelfloat) die wahren Lebensversicherungen für Wandersportler.
Irrtum #3: „Mit dem neuen, teuren Boot fahre ich automatisch besser.“
Der Zubehörkatalog verlockt mit Hightech-Materialien: Wer das neueste Carbon Wing-Paddel oder ein sehr teures Wanderboot kauft, gleicht alle technischen Schwächen aus.

- Die Realität: Ein schnelleres oder kippeligeres Boot verstärkt Fahrfehler oft sogar! Was wirklich zählt, sind Bootsgefühl, Wasserlesen und eine saubere Kantenführung. Investiert das Geld lieber in ein fundiertes Sicherheitstraining oder einen Fahrtechnikkurs im Verein – das bringt auf dem Wasser ungleich mehr als jedes Material-Upgrade.
Irrtum #4: „Auf meinem Hausfluss kenne ich jede Stelle – mir kann nichts passieren.“
Wer ein Gewässer seit vielen Jahren bepaddelt, neigt zur Routine und wiegt sich in absoluter Sicherheit.

- Die Realität: Flüsse sind dynamische Systeme. Ein einziger Sturm kann einen Baum quer über den Fluss werfen (akute Unterspülungs- und Lebensgefahr!). Schon leicht veränderte Wasserstände verwandeln friedliche Stellen in tückische Rückläufe. Fahre auch vertraute Strecken immer mit aufmerksamem Blick und Respekt vor der Natur.
Irrtum #5: „Ich bin fit und kann gut schwimmen, die Weste kann auf dem Deck bleiben.“

Gerne bereits ab dem Frühjahr zu beobachten: Die Schwimmweste wird hinter den Sitz geklemmt oder auf das Vordeck geschnallt, weil es „zu warm“ ist.
- Die Realität: Eine Weste auf dem Deck nützt im Notfall gar nichts. Wer bei einem Sturz ins Wasser mit dem Kopf an einen Stein oder das Boot stößt und das Bewusstsein verliert, ertrinkt ohne Weste umgehend. Zudem verliert man im kalten Frühjahrswasser innerhalb von Minuten die Feinmotorik in den Händen. Die Schwimmweste gehört auf den meisten Gewässern fest verschlossen an den Körper!
Fazit & Einladung zum Vereins-Training
Der Kajaksport lebt vom Spaß auf dem Wasser, der Natur und der Gemeinschaft in unserem Verein. Doch Sicherheit und eine saubere Technik kommen nicht von allein.

Lust bekommen, die eigene Technik zu verfeinern? Corinna und Matthias planen für Ende August oder die erste Septemberhälfte wieder einen Grundlagenkurs für Vereinsmitglieder – Details folgen bald auf der Website.

